Die Lügen des Herrn Doktor Rösler

Gesundheitsfürsorge wird teurer, weil das Volk altert und der Fortschritt viel kostet, behauptet Minister Rösler. Trotzdem ist der Anteil der Ausgaben der KVdR an den Gesamtausgaben der Kassen seit der letzten Umstellung der Statistik im Jahr 2002 nur von 47 auf 49 Prozent gestiegen. Seither haben sich aber die Gesamtausgaben um dramatische 20 Prozent erhöht und werden dieses Jahr um weitere zehn Prozent steigen. (WirtschaftsWoche) Wer immer dafür verantwortlich ist, die Demografie ist es nicht.

4 Gedanken zu „Die Lügen des Herrn Doktor Rösler

  1. Rottach (Neurologe)

    Keine Ahnung, ob es Sinn macht, auf einen Beitrag von 9/2010 zu antworten. Der Link zum Handelsblatt funktioniert brigens nicht mehr.
    Was mich rgert ist die berschrift „Die Lgen…“. Im Gegensatz zu vielen sehr informativen und sachlichen Beitrgen in diesem Blog ist das einfach Quatsch.
    Wenn man sich sachlich zur Ausgabenentwicklung in der GKV informieren will, dann kann man das z.B. hier tun: http://www.aok.de/assets/media/bundesweit/aok_zahlen_fakten.pdf

    Man braucht nur mal kurz die politische Verblendung ausschalten und den gesunden Menschenverstand ein. Dann sieht man, dass Rsler recht hat. Wenn es neue Therapien gibt (die von der Kranken Kasse bezahlt werden), dann werden diese auch in Anspruch genommen und kosten eine Menge. Beispiel Tysabri. Soviel zum Fortschritt. Und wer frher stirbt, kostet weniger lange Geld. Teuere Krankheiten wie Krebserkrankungen, Demenz und Gefleiden nehmen nun mal eindeutig mit zunehmendem Alter zu. Unter 60 hat weniger als 1 % der Menschen eine Demenz, ber 90 dagegen 30 %. Wenn immer mehr Leute 90 werden, gibt es immer mehr Demenz-Patienten. Wenn man dann noch bedenkt, das 90jhrige nicht in die Kranke Kasse einzahlen, es aber immer weniger „Junge“ gibt, dann hat man verstanden, was Rsler mit Demografie meint.

  2. Alexander Otto

    Hallo Herr Rottach,

    ja, es macht Sinn. Den Link zum Handelsblatt habe ich durch einen zur Wirtschaftswoche ersetzt. Der Text ist gleichlautend. Meine pointierte Begriffswahl „Lge“ ist gewiss dem Medium Internet geschuldet? Nein, „Vorstzlicher Irrtum“ erschien mir in Anbetracht der o.g. Zahlenkorrelation einfach nur zu euphemistisch.

    Denn wenn der tatschliche Kostenanstieg durch Alterung nur ungefhr ein Zehntel des gesamt Anstiegs zwischen 2002 und 2009 ausmachte – das sind die absoluten Zahlen der Krankenversicherung der Rentner (KVdR), also evidenzbasiert. – , stellt sich doch die Frage, was denn da sonst so teuer war:

    Womglich die Leistungserbringer? Beispielsweise Arzneimittelkosten, abrechnungstechnische Verkrankung der Versicherten, Abrechnungsbetrug durch Krankenhuser, Entkopplung der niedergelassenen Arzteinkommen von der gesamt Einkommensentwicklung?

    Und weiter frage ich dann, warum Herr Rsler ungeachtet der buchhalterischen Fakten doch lieber vom demographischen Wandel schwadroniert?

    Und frchte es liegt nicht nur daran, dass er sich seiner Klientel verpflichtet fhlt, deren exorbitante Gewinnzuwchse er nur ungern ffentlich diskutiert oder gar beschrnkt sieht. Es ist noch viel schlimmer: Die Transformation des staatlichen Gesundheitswesens in eine private Gesundheitswirtschaft (mit allen gesellschaftlichen Konsequenzen) ist ein Dogma seiner Ideologie, eben seines Glaubens. Da bleibt fr Fakten wenig Platz.

  3. Rottach (Neurologe)

    Unserise Zahlenakrobatik

    Hallo Herr Otto,
    vielen Dank fr die schnelle Antwort !

    Ich habe mir den neuen Link mal unter die Lupe genommen. Die Darstellung erscheint mir nebuls und irrefhrend. Durch die Zahlenakrobatik mit den Prozenten kann man den schnellen Leser einfach hinters Licht fhren.

    „Trotzdem ist der Anteil der Ausgaben der KVdR an den Gesamtausgaben der Kassen seit der letzten Umstellung der Statistik im Jahr 2002 nur von 47 auf 49 Prozent gestiegen. Seither haben sich aber die Gesamtausgaben um dramatische 20 Prozent erhht und werden dieses Jahr um weitere zehn Prozent steigen. Wer immer dafr verantwortlich ist, die Demografie ist es nicht.“ heit es da.

    1. bedeuten 20 % in 8 Jahren einen jhrlichen Ausgabenanstieg von 2,5 %. Das drfte kaum ber der Inflationsrate liegen und wre mithin alles andere als dramatisch.
    2. Es wird der Gesamt-Anstieg von 20 % mit dem dem Anstieg um 2 % am Anteil an den Gesamtausgaben im Zusammenhang genannt – was sehr irrefhrend ist. Es handelt sich nicht um 2 vs. 20 % sondern um einen Anstieg von 25 % bei den Rentnern im Vergleich zu einem Anstieg von 16 % bei den Gesunden. Knnte man also schon als berproportionalen Anstieg bei den Rentnern bezeichnen…
    3. Weitere wenig fundierte Behauptung: die dt. Gesellschaft wird immer gesnder und das liege an der zunehmend gesnderen Lebensweise und nicht am med.-techn. Fortschritt.
    H?? Bewegungsmangel, fette Kinder, ein Volk von Alkoholabhngigen, Drogenkonsumente und Computerschtigen – ob unsere Lebensweise gesnder ist als die vor z.B. 50 Jahren, darf mit Recht angezweifelt werden. Andere unbewiesene Behauptungen gibt es da auch: Verbesserung der Hygiene, Abnahme der Kindersterblichkeit usw.. Wir rzte sind da auch nicht ganz objektiv und behaupten bis zum Beweis des Gegenteils weiterhin, dass die Verbesserung der medizinischen Versorgung ein wesentlicher Faktor fr die hhere Lebenserwartung etc. ist.

    Ich stimme Ihnen brigens vllig darin zu, dass die FDP die von Union (v.a. Seehofer) und SPD (Schmidt, Lauterbach) eingeleitete Transformation zur gewinnorientierten Gesundheitswirtschaft weiterfhrt. Aus Sicht von uns rzten bleibt nun leider keine relevante Partei mehr brig, die dem entgegensteuert. Dabei ist diese Zielsetzung ebenso traurig wie absurd. Es gengt der Blick in die USA: dort kostet Gesundheit ungefhr doppelt so viel und die Versorgung der Bevlkerung ist insgesamt wesentlich schlechter.

    viele Gre Klaus Rottach

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