US-Studie: MS-Basistherapien sind brutalst überteuert

Die durch immunmodifizierende Medikamente seit den 1990er Jahren erzielten Fortschritte in der MS-Therapie werden zu einem sehr hohen Preis erkauft, befindet eine heute in der Nervenärztepostille Neurology veröffentlichte Studie der University of Rochester.

Die Forscher haben in ihrer Untersuchung die Höhe der durch die MS verursachten Folgekosten (Arbeitsausfall, Kosten für symptomatische Therapien etc.) mit und ohne Basistherapie (Avonex, Rebif, Betaseron und Copaxone) verglichen und die möglichen Einsparungen dann mit den Medikamentenpreisen in Relation gesetzt. Grundlage der Evaluation ist das sogenannte QALY (qualitätskorrigierte Lebensjahr), eine ätherische  Kennzahl aus der Versorgungsforschung. Weniger ätherisch sind die Ergebnisse der Studie:

Die Kosten für ein mit CRABs qualitätskorrigiertes Lebensjahr betragen in den USA 800.000 US-Dollar (Zum Vergleich: Im britischen Gesundheitssystem gilt eine Aufwand von 20.000 bis 30.000 Pfund pro QALY als Grenze). Eine Reduzierung der Basistherapiepreise hat daher bei weitem die größte Auswirkung auf die Kosteneffektivität dieser Behandlungsform (Eine Preisreduzierung um 67 Prozent würde die Kosteneffektivität von Avonex beispielsweise um 50 Prozent auf 164.000US-Dollar pro QALY verbessern).

Immerhin bringt die frühe Verwendung einer Basistherapie über zehn Jahre einen moderaten Profit im Vergleich zur Behandlung ohne CRABs. Interferon-Junkies gewannen während der zehnjährigen Beobachtungsphase satte zwei QUALY-Monate (0,082 QALY oder < 1 QALY Ertrag für Copaxone und 0,126 – 0,129 QALY Ertrag für Interferone). Wow.

Im Schubfrequenzstresstest wird die Ineffizienz der CRABs noch deutlicher: Betaferon®-Patienten waren zwar in sechs von zehn Jahren schubfrei, doch ungerechterweise blieben auch Therapie-Verweigerer in fünf von zehn Jahren verschont (zum Original-Abstract).

Fazit: Die Studie ist eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse. Für die individuelle Therapie-Entscheidung ist sie zumindest für uns krankenversicherte Mitteleuropäer noch irrelevant (für US-MSis sieht’s da schon finsterer aus). Allerdings könnte die CRAB-Adhärenz in Kombination mit den Ergebnissen der Britische Basistherapie-Studie (Das 700 Millionen Pfund teure Fiasko) auf lange Sicht dezent nachgeben.

Jetzt warten wir mal, wie der ärztliche DMSG-Beirat reagiert. Blub.

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